Die dunkle Macht (Teil I)
Ich habe lange gebraucht, um mich von meinem Kampf gegen die dunkle Macht zu erholen. Aber nun habe ich inzwischen genug Abstand gefunden und auch die nötige Kraft, um über die schrecklichen Erlebnisse zu berichten.
Es klang anfangs nicht so furchterregend: Eine Freundin bat mich ihr ein Notebook zu besorgen und zu installieren.
Als das ersehnte Teil geliefert wurde, verwahrte ich es aus einer Art Vorahnung heraus erst einmal an einem sicheren Ort.
Doch als mich in den folgenden Nächten immer öfter diese Albträume überkamen, in denen ich mehr oder weniger deutlich vor der ganzen Sache gewarnt wurde, hätte ich noch die Chance gehabt mich eines besseren zu besinnen und diese wahnwitzige Herausforderung in erfahrene Hände abgeben können.
Aber nein, ich wollte ja nicht auf die Stimme hören, die nächtens versuchte mich einerseits zu warnen, auf der anderen Seite aber auch mich in ihre Gewalt zu kriegen:
One Ping to rule them all, One Ping to find them,
One Ping to bring them all and in the darkness bind them
In the Land of Redmond where the Shadows lie.
(Ich erzittere alleine beim schreiben dieser Zeilen) *schauder*
Ich steckte zu weit in der Sache drin um einen Rückzieher zu machen, und außerdem schien es mein Schicksal zu sein, mich auf den langen und mühsamen Weg der Windows Vista Installation zu begeben.
Also scharrte ich für diese Mission die dafür benötigten und dringend erforderlichen Gefährten um mich: Zigaretten, Alkohol, eine Linux-Firewall sowie einen lauffähigen PC mit ca. zwei Dutzend geöffnet Browserfenstern, in denen der Cursor in der Eingabezeile der Suchmaschine meiner Wahl aufmunternd vor sich hin blinkte.
So gestärkt zog ich los, und verlies mein beschauliches und wohl behütetes Linuxland.
Schon die ersten Schritte in dieses gewagte Abenteuer waren fürchterlich.
Nach dem Auspacken und Einschalten des Schatzes spürten mich die ersten Nazgul auf, und stürzten sich immmer häufiger mit ihren lauten, krächzenden Schreien “Bitte warten Sie, während Windows neu gestartet wird…” auf mich.
Je weiter ich auf meiner Reise zum Schicksalsbetriebssystem kam, um so öfter fühlte ich das feurige Bluescreen-Auge der düsteren Macht aus Redmond, das mich immer wieder mit einem ständig wiederkehrenden “Klicken Sie auf OK.” zu hypnotisieren versuchte. Es war entsetzlich!
Meine gelegentlichen, verzweifelten Versuche eine gewisse Art von Widerstand zu leisten, in dem ich unter unglaublichen körperlichen Anstrengungen hin und wieder einfach mal “Abbrechen” oder “Ich widerstehe der Macht!” anklickte, wurden selbstverständlich auf grausamste Weise mit einem gnadenlosen “WARTEN Sie während Windows dieses Mal völlig sinnbefreit straf-neugestartet wird!!” niedergeschlagen.
Doch, oh Wunder, nach einem langen beschwerlichen Weg schien es, als sollte ich die erste Prüfung hinter mich gebracht haben. Dies lies mich zumindest Bill, der dunkle Herrscher, glauben, als mein Schatz mir vorgaukelte ich wäre fast am Ziel, in dem er vor meinen Augen verschwommen ein Fenster erscheinen ließ, in dem sich flimmernde Buchstaben zu den Sätzen “Herzlichen Glückwunsch, die Windows-Installation wurde erfolgreich abgeschlossen. Klicken Sie auf OK!” formten.
Dermaßen eingelullt, klickte ich armer unwürdiger Auserwählter auf “OK” und wurde daraufhin von Dutzenden aufpoppenden Fenstern mit wie irrsinnig umher schwirrenden “OK”-Buttons, die “Microsoftzertifizierte” Tools und Programme installieren wollten, niedergeschmettert.
Es gelang mir gerade noch unter Aufbringung sämtlicher mir noch zur Verfügung stehenden Kräfte auf die magischen Kreuze (X) der Fenster einzuhämmern, und den Schatz auszuschalten, bevor ich in eine scheinbar endlos dauernde Ohnmacht fiel……..

